Beratung, Coaching und kleine Änderungen im Alltag können helfen, anhaltenden Druck durch Termine, Konflikte oder hohe Ansprüche zu verringern. Lebensberatung unterstützt bei persönlichen und familiären Fragen. Coaching hilft, ein konkretes Ziel festzulegen und die nächsten Schritte zu planen.
Halten Beschwerden an, nehmen sie zu oder beeinträchtigen sie den Alltag deutlich, reichen diese Angebote nicht aus. Wenden Sie sich an eine Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde. Eine Diagnose brauchen Sie dafür nicht.
Beratung und Coaching bei Stress
Bei Konflikten in der Familie, Beziehungsfragen oder Erziehungsproblemen hilft eine Lebens-, Familien- oder Erziehungsberatungsstelle, die Situation zu ordnen und nächste Schritte zu finden. Angebote und Kosten unterscheiden sich je nach Ort. Fragen Sie deshalb bei der jeweiligen Stelle nach, welche Unterstützung sie anbietet und ob Gebühren anfallen.
Coaching eignet sich eher für ein klar umrissenes Anliegen, etwa berufliche Prioritäten oder eine anstehende Entscheidung. Im Coaching legen Sie mit dem Coach Ziele fest und planen konkrete Schritte. Die Bezeichnung „Coach“ ist in Deutschland nicht geschützt; allein der Titel sagt daher wenig über Ausbildung und Erfahrung aus. Coaching ist außerdem keine Psychotherapie zur Behandlung psychischer Erkrankungen.
Auch Kurse zur Stressbewältigung oder Entspannung kommen infrage. Progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga und Meditation sind verbreitete Verfahren. Welche Methode angenehm und hilfreich ist, hängt von der Person ab. Krankenkassen erstatten anerkannte Kurse unter bestimmten Voraussetzungen ganz oder teilweise. Klären Sie die Bedingungen vor der Anmeldung mit Ihrer Krankenkasse.
Stress im Alltag bewältigen
Beginnen Sie bei den Situationen, die Sie besonders belasten. Notieren Sie eine Woche lang kurz, wann der Druck steigt und was gerade ansteht. Dann sehen Sie, ob Sie zum Beispiel Termine anders verteilen, eine Aufgabe verschieben oder einen Konflikt ansprechen können. Entspannungsübungen helfen Ihnen, kurz zur Ruhe zu kommen. Sie lösen aber nicht automatisch die Ursache der Belastung.
Machen Sie Aufgaben und Termine sichtbar und legen Sie fest, was zuerst erledigt werden muss. Planen Sie auch kurze Pausen ein und wählen Sie eine Aktivität, die Ihnen tatsächlich Erholung bringt. Ein Spaziergang, Bewegung, ein Hobby oder ein Gespräch mit einer vertrauten Person können Ihnen helfen, sich zu erholen. Wenn eine Entspannungsübung unangenehm ist oder Ihre Beschwerden verstärkt, brechen Sie sie ab und suchen Sie eine passendere Unterstützung.
Die Weltgesundheitsorganisation bietet mit Doing What Matters in Times of Stress einen frei zugänglichen Leitfaden mit Übungen. Die Übungen helfen Ihnen unter anderem, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren, Abstand zu belastenden Gedanken zu gewinnen und nach eigenen Werten zu handeln. Solche Selbsthilfe kann eine erste Unterstützung sein; sie ersetzt keine individuelle medizinische oder psychotherapeutische Abklärung.
Coaching sorgfältig prüfen
Lassen Sie sich Ziel, Ablauf, Methoden, Dauer und Kosten verständlich erklären, bevor Sie sich entscheiden. Fragen Sie nach der Ausbildung und Erfahrung der beratenden Person und nehmen Sie sich Zeit, das Angebot zu prüfen. Ein seriöser Anbieter erklärt auch, wo seine Grenzen liegen, und verweist Sie bei möglichem Behandlungsbedarf an geeignete Fachkräfte.
Seien Sie vorsichtig, wenn ein Anbieter schnelle oder sichere Erfolge verspricht, Sie zum sofortigen Abschluss drängt oder Kosten und Vertragsbedingungen unklar lässt. Die Verbraucherzentrale führt solche Punkte besonders bei teuren Online-Programmen als Warnzeichen auf. Ein Vorgespräch kann helfen zu klären, ob das Anliegen in das Angebot passt.
Wann Fachhilfe sinnvoll ist
Suchen Sie ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat, wenn die Belastung anhält oder zunimmt und Schlaf, Konzentration, Beziehungen oder alltägliche Aufgaben spürbar darunter leiden. Besprechen Sie auch anhaltende Verspannungen, Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme in einer Hausarztpraxis. Diese Beschwerden reichen nicht für eine Selbstdiagnose. Sie sind aber ein guter Grund, Unterstützung zu suchen.
Wenn Sie gesetzlich versichert sind, können Sie grundsätzlich ohne Überweisung eine psychotherapeutische Sprechstunde bei einer zugelassenen Praxis vereinbaren. Dort bespricht die Fachkraft mit Ihnen, ob Psychotherapie infrage kommt und welche weiteren Hilfen passen. Bei der Terminvereinbarung unterstützt die 116117. Beratung und Psychotherapie haben unterschiedliche Aufgaben. In einer psychotherapeutischen Sprechstunde klären Sie, welcher Weg zu Ihrer Situation passt.
Hilfe in akuten Krisen
Wenn Sie sich in einer psychischen Krise befinden, wenden Sie sich an eine Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Praxis oder einen örtlichen Krisendienst beziehungsweise sozialpsychiatrischen Dienst. Außerhalb der Öffnungszeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Für ein dringendes Gespräch ist die TelefonSeelsorge unter 116 123 sowie unter 0800 1110111 und 0800 1110222 erreichbar. Die Gespräche sind anonym möglich und gebührenfrei.
Bei unmittelbarer Gefahr für Sie oder eine andere Person rufen Sie den Rettungsdienst unter 112 oder die Polizei unter 110. In einer akuten Krise können Sie sofort Hilfe suchen, ohne vorher allein auf Selbsthilfe oder Coaching zu setzen.