Lebensberatung& Coaching
Artikel

Coaching und Beratung sind keine Psychotherapie

Wenn Sie beruflich nicht weiterkommen, vor einer schwierigen Entscheidung stehen oder psychisch belastet sind, kommen Coaching, Beratung und Psychotherapie infrage. Coaching und Beratung helfen, Anliegen zu klären und nächste Schritte zu finden. Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen, wenn eine Behandlung angezeigt ist.

Der Zweck des Angebots bestimmt die Einordnung; das Gesprächsthema allein ist dafür nicht ausschlaggebend. Auch im Coaching können Gefühle, Beziehungen oder die eigene Lebensgeschichte zur Sprache kommen. Wer psychische Erkrankungen behandelt, muss dafür die nötige Qualifikation und rechtliche Befugnis haben.

Coaching, Beratung oder Psychotherapie?

Coaching begleitet Menschen meist bei einem konkreten Entwicklungsziel, häufig im Beruf. Das kann etwa die Vorbereitung auf eine Führungsrolle, der Umgang mit einem Konflikt oder eine berufliche Entscheidung sein. Coach und Klient klären das Anliegen und erarbeiten gemeinsam mögliche Schritte.

Beratung ist ein weiter gefasster Begriff. Sie kann bei persönlichen, familiären, sozialen oder beruflichen Fragen unterstützen. Je nach Beratungsfeld gibt die beratende Person Informationen und Orientierung oder hilft dabei, eigene Lösungen zu entwickeln.

Psychotherapie ist eine Behandlung mit anerkannten psychotherapeutischen Verfahren oder Methoden. Nach dem Psychotherapeutengesetz behandelt sie psychische Störungen, die als Krankheit gelten, wenn eine Psychotherapie fachlich angezeigt ist. Zur Behandlung gehört auch, körperliche Ursachen zu prüfen und weitere passende Hilfen einzubeziehen.

Dieselben Themen können in Coaching, Beratung und Psychotherapie vorkommen. Eine berufliche Krise kann persönliche Belastungen berühren, und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bieten auch Beratung, Prävention und Rehabilitation an. Das Ziel der Tätigkeit macht den Unterschied.

Woran Sie den Unterschied erkennen

Coaching und Beratung Psychotherapie
Typisches Anliegen Orientierung, Entwicklung oder eine konkrete Frage im Alltag oder Beruf Behandlung psychischer Beschwerden oder einer psychischen Erkrankung
Ziel Klarheit gewinnen, Entscheidungen vorbereiten oder neue Handlungsmöglichkeiten entwickeln Beschwerden behandeln oder lindern und psychische Gesundheit fördern
Vorgehen Coach oder beratende Person und Klient vereinbaren ein Anliegen und arbeiten daran Eine qualifizierte Fachperson klärt den Behandlungsbedarf und bespricht passende Hilfe

Die Tabelle bietet eine erste Orientierung, ersetzt aber keine fachliche Einschätzung. Aus einem Gesprächsthema allein lässt sich nicht ableiten, ob eine Psychotherapie nötig ist. Wenn Sie unsicher sind, können Sie eine psychotherapeutische Sprechstunde nutzen. Dort wird besprochen, ob Psychotherapie oder ein anderes Angebot sinnvoll ist.

Wenn persönliche Themen auftauchen

Ein Coach darf auch über familiäre Beziehungen, frühere Erfahrungen oder starke Gefühle sprechen, wenn sie zum vereinbarten Ziel des Coachings gehören. Wer etwa beruflich unsicher ist, kann im Gespräch erkunden, welche Erwartungen oder Erfahrungen die Entscheidung beeinflussen. Das macht das Gespräch nicht automatisch zur Psychotherapie.

Anders ist es, wenn das Angebot darauf zielt, eine psychische Erkrankung festzustellen, zu heilen oder zu lindern. Dafür gelten die gesetzlichen Regeln zur Ausübung der Heilkunde. Ob eine Tätigkeit als Heilkunde gilt, hängt vom Einzelfall ab. Coaching sollte eine angezeigte Psychotherapie nicht ersetzen.

Qualifikation und Grenzen prüfen

Die Bezeichnungen „Coach“ und „Beraterin“ sind in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Der Titel „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“ ist dagegen rechtlich geregelt. Für die Ausübung von Heilkunde gelten ebenfalls gesetzliche Voraussetzungen. Neben approbierten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können unter bestimmten Voraussetzungen auch Personen mit einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz psychotherapeutisch tätig sein.

Fragen Sie vor Beginn, welche Ausbildung die Fachperson hat, wie sie vorgeht und welche Kosten entstehen. Klären Sie auch, wie die Fachperson Ihre Angaben vertraulich behandelt und was passiert, wenn Ihr Anliegen über das Angebot hinausgeht. Ein verantwortungsvoll arbeitender Coach erklärt seine Grenzen. Er stellt keine unbegründeten Diagnose- oder Heilungsversprechen auf. Bei Bedarf verweist er an geeignete Fachleute.

Wann Sie Hilfe abklären lassen sollten

Lassen Sie psychische Beschwerden fachlich einschätzen, wenn sie anhalten oder Ihren Alltag deutlich erschweren. Das gilt auch, wenn sie im Mittelpunkt Ihres Anliegens stehen. Sie müssen das nicht selbst einschätzen: Ob eine psychische Erkrankung vorliegt und welche Unterstützung passt, klären qualifizierte Fachpersonen. Bisherige Beratung oder Selbsthilfe, die nicht ausreicht, ist ebenfalls ein guter Anlass, weitere Hilfe zu suchen.

Gesetzlich Versicherte können sich für eine psychotherapeutische Sprechstunde an eine psychotherapeutische Praxis oder an die Terminservicestelle unter 116117 wenden. Eine Überweisung ist dafür nicht nötig. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung rufen Sie den Notruf 112.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert