Wenn Sie im Coaching oder in der Lebensberatung nach mehreren Gesprächen kaum vorankommen, besprechen Sie mit Ihrem Coach, ob Ziel, Vorgehen und Zusammenarbeit noch passen. Es gibt keine wissenschaftlich festgelegte Zahl von Sitzungen, ab der ein Coaching als stagnierend gilt. Entscheidend ist, ob die Gespräche Ihr Anliegen noch nachvollziehbar unterstützen.
Coaching und Lebensberatung helfen etwa dabei, Ziele zu klären oder Entscheidungen zu treffen. Sie behandeln keine psychischen Erkrankungen und ersetzen keine Psychotherapie. Wenn Ihre Belastung zunimmt oder Sie eine Krise erleben, wenden Sie sich an eine dafür qualifizierte Fachstelle.
Coaching-Stagnation erkennen
Ein Coaching kann sich festgefahren anfühlen, wenn Sie wiederholt über dieselben Themen sprechen und daraus weder neue Einsichten noch umsetzbare Schritte entstehen. Prüfen Sie auch, ob Ihre Ziele unklar geworden sind, sich Ihr Anliegen verändert hat oder die Methode zu Ihnen passt.
Achten Sie außerdem darauf, wie Sie sich in den Gesprächen fühlen. Wenn Sie sich dauerhaft nicht verstanden, respektiert oder ausreichend beteiligt fühlen, sprechen Sie das an. Eine Meta-Analyse, also eine Auswertung mehrerer Studien, fand beim Coaching einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Zusammenarbeit von Coach und Klient und den Ergebnissen. Das belegt nicht, dass die Beziehung allein über den Erfolg entscheidet. Es zeigt aber, dass es sich lohnt, auch die Zusammenarbeit selbst zu prüfen.
Diese Hinweise sind keine Diagnose und kein verbindlicher Test. Ein schwieriges Gespräch oder eine Phase ohne sichtbare Fortschritte bedeutet für sich genommen nicht, dass Coaching grundsätzlich ungeeignet ist. Es gibt jedoch keinen festen Zeitplan, der für alle Anliegen gilt. Entscheidend ist, ob Sie einen nachvollziehbaren Nutzen erkennen und ob Sie mit dem Coach offen über Zweifel sprechen können.
Bereiten Sie das Gespräch vor
Machen Sie sich vor dem nächsten Termin klar, was Sie beobachtet haben. Notieren Sie, was Sie sich zu Beginn erhofft haben, was sich tatsächlich verändert hat und was Ihnen in den Sitzungen hilft oder fehlt. Ein Beispiel: „Ich wollte eine Entscheidung treffen, aber wir sprechen seit mehreren Terminen über dieselben Optionen. Mir fehlt ein konkreter nächster Schritt.“
Mit konkreten Beobachtungen fällt es leichter, ruhig und klar darüber zu sprechen. Überlegen Sie auch, ob sich Ihr Anliegen verändert hat. Ein Coachingziel, das früher sinnvoll war, muss nicht mehr zu Ihrer aktuellen Situation passen.
Sprechen Sie den Stillstand an
Sie können direkt sagen, dass Sie bisher wenig Fortschritt wahrnehmen, und darum bitten, gemeinsam zu prüfen, woran es liegt. Fragen Sie, ob die ursprünglichen Ziele noch passen, woran Sie beide eine Verbesserung erkennen würden und welche Veränderung am Vorgehen sinnvoll wäre. Der Coach sollte verständlich erklären können, wie die vorgeschlagene Arbeitsweise mit Ihrem Anliegen zusammenhängt.
Auch Ihre Unsicherheit im Gespräch ist eine relevante Beobachtung. Wenn Sie sich nicht trauen, Zweifel oder Kritik anzusprechen, benennen Sie das, sofern Sie sich damit sicher fühlen. Eine offene Reaktion kann zeigen, ob sich die Zusammenarbeit anpassen lässt. Die Ethikrichtlinien des Deutschen Coaching Verbands und der International Coaching Federation betonen transparente Ziele, Feedback und die Prüfung, ob das Angebot noch zum Anliegen passt. Diese Richtlinien gelten für die jeweiligen Verbände und sind keine allgemeine gesetzliche Regel für alle Coaches.
Ziele und Vorgehen anpassen
Nach dem Gespräch können Sie gemeinsam ein klareres Ziel vereinbaren, den Schwerpunkt ändern oder eine andere Arbeitsweise erproben. Legen Sie dabei fest, woran Sie den Nutzen erkennen möchten, etwa daran, dass Sie eine Entscheidung besser begründen oder einen konkreten nächsten Schritt planen können. So wissen Sie beide, worauf Sie achten. Einen Fortschritt garantiert die Vereinbarung aber nicht.
Eine Pause kann sinnvoll sein, wenn Sie Zeit brauchen, um das Besprochene umzusetzen oder Ihr Anliegen neu zu sortieren. Wenn sich die Zusammenarbeit trotz eines offenen Gesprächs dauerhaft unpassend anfühlt, können Sie das Coaching beenden oder eine andere beratende Person suchen. Prüfen Sie vor dem Ende des Coachings, was Sie zu Kündigung, Kosten und noch ausstehenden Leistungen vereinbart haben. Ob Sie Geld zurückbekommen, hängt vom konkreten Vertrag ab.
In Deutschland ist die Bezeichnung „Coach“ nicht geschützt. Der Titel allein belegt daher keine bestimmte Qualifikation. Fragen Sie bei einem Wechsel nach Ausbildung, Erfahrung, Arbeitsweise und Grenzen des Angebots. Achten Sie darauf, ob die Person Ziele und Vorgehen nachvollziehbar erklärt und offen mit Rückmeldungen umgeht.
Wann Psychotherapie besser passt
Coaching kann bei persönlichen Zielen, Entscheidungen und Veränderungen unterstützen. Es ist jedoch keine Behandlung psychischer Erkrankungen. Wenn Ihre Beschwerden anhalten, sich deutlich verschlimmern oder Sie Ihren Alltag stark beeinträchtigen, wenden Sie sich an eine Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde. Dort kann eine Fachperson einschätzen, welche Unterstützung zu Ihrer Situation passt.
Wenn Ihr Anliegen außerhalb der Kompetenz des Coaches liegt, sollte er Ihnen empfehlen, sich an eine geeignete Fachperson zu wenden. Scheuen Sie sich nicht, parallel zum Coaching medizinische oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Sie müssen nicht erst ein Coaching abschließen, um eine andere Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Hilfe in einer Krise
Wenn Sie psychisch stark belastet sind oder nicht wissen, an wen Sie sich wenden sollen, können Sie sich an eine Hausarztpraxis, eine psychotherapeutische Sprechstunde oder den örtlichen Sozialpsychiatrischen Dienst wenden. Der Sozialpsychiatrische Dienst bietet vielerorts leicht zugängliche Beratung und unterstützt auch Angehörige. Das konkrete Angebot unterscheidet sich je nach Ort.
Bei akutem Gesprächsbedarf ohne unmittelbare Gefahr erreichen Sie die TelefonSeelsorge in Deutschland unter 116 123. Außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen berät der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 zu passenden nächsten Schritten. Wenn Sie sich selbst oder andere akut gefährdet sehen, rufen Sie 112. Bei Bedarf erreichen Sie die Polizei unter 110.