Im ersten Gespräch klären Sie, worum es bei Coaching oder Lebensberatung geht und ob die Zusammenarbeit zu Ihnen passt. Dabei besprechen Sie Ihr Anliegen, Ihre Ziele und die Bedingungen der Zusammenarbeit.
Ein guter Coach fragt nach Ihrem konkreten Anlass, Ihren Erwartungen und den Grenzen des Angebots. Danach wissen Sie, wie die Gespräche ablaufen, was vertraulich bleibt und wann eine andere Unterstützung besser passt.
Fragen zur Auftragsklärung im Coaching
Die Fragen sollen ein Gespräch in Gang bringen, nicht wie ein Verhör wirken. Sie müssen nicht sofort ein fertiges Ziel nennen. Ihr Anliegen kann im Gespräch klarer werden. Wichtig ist, dass Sie und der Coach zunächst dasselbe darunter verstehen, woran Sie arbeiten möchten.
| Thema | Mögliche Frage | Hilfreiche Antwort | Warnzeichen |
|---|---|---|---|
| Anlass | „Was hat Sie gerade jetzt dazu gebracht, Unterstützung zu suchen?“ | Der Coach hört zu und fragt nach konkreten Situationen, bevor er eine Deutung anbietet. | Er legt früh eine Diagnose oder Erklärung fest. |
| Ziel | „Woran würden Sie im Alltag merken, dass die Gespräche hilfreich waren?“ | Sie entwickeln ein für Sie bedeutsames Ziel, das sich später prüfen und nachschärfen lässt. | Der Coach verspricht ein bestimmtes Ergebnis oder bestimmt allein, was Ihr Ziel sein soll. |
| Erwartungen und Rollen | „Was wünschen Sie sich von mir, und was möchten Sie selbst beitragen?“ | Der Coach erklärt, ob er vor allem Fragen stellt, Wissen einbringt oder konkrete Vorschläge macht. Entscheidungen bleiben bei Ihnen. | Er stellt sich als unfehlbare Instanz dar oder erwartet, dass Sie seinen Empfehlungen folgen. |
| Vertraulichkeit | „Wer erfährt von den Gesprächen, und welche Informationen werden weitergegeben?“ | Der Coach erklärt verständlich, was vertraulich bleibt und welche Ausnahmen oder Vereinbarungen gelten. | Er verspricht pauschal absolute Geheimhaltung oder lässt offen, was Auftraggebende erfahren. |
| Dauer | „Wie viele Gespräche sind zunächst vorgesehen, und wann prüfen wir, ob eine Fortsetzung sinnvoll ist?“ | Umfang und mögliche Zwischenbilanz sind nachvollziehbar. | Sie sollen sich sofort langfristig binden, ohne dass der Nutzen später geprüft wird. |
| Methoden | „Wie arbeiten Sie, und kann ich eine Übung ablehnen oder abbrechen?“ | Der Coach erklärt sein Vorgehen und holt Ihre Zustimmung zu Übungen ein. | Methoden bleiben geheim, gelten als alternativlos oder werden ohne Absprache eingesetzt. |
| Grenzen | „Passt mein Anliegen zu Ihrer Erfahrung, und wann würden Sie andere Hilfe empfehlen?“ | Der Coach benennt seine Zuständigkeit und verweist bei Bedarf an passende Fachleute. | Er behauptet, jedes Problem ausschließlich mit Coaching lösen zu können. |
Diese Fragen sind Beispiele, keine verbindliche Liste. Berufsverbände wie der Deutsche Bundesverband Coaching (DBVC) und die International Coaching Federation (ICF) halten in ihren beruflichen Leitlinien fest, dass Rollen, Ziele, Vorgehen und Vertraulichkeit vor oder zu Beginn der Zusammenarbeit geklärt werden sollen. Diese Leitlinien bieten Orientierung, sind aber nicht automatisch gesetzliche Vorschriften.
Vertraulichkeit vorher vereinbaren
Wenn ein Unternehmen das Coaching bezahlt, sind oft drei Beteiligte im Spiel: Sie, der Coach und die Organisation. Klären Sie vorab, wer welche Informationen erhält. Sie können zum Beispiel vereinbaren, ob die Organisation nur erfährt, dass Sie teilnehmen, oder auch eine allgemeine Rückmeldung zu Ihrem Fortschritt erhält. Der Coach sollte konkrete Gesprächsinhalte nicht ohne Absprache in einen Bericht aufnehmen.
Vertraulichkeit sollte konkret erklärt und vereinbart werden. Vertraulichkeit bedeutet nicht automatisch, dass der Coach vor Gericht die Aussage verweigern darf. Fragen Sie deshalb auch, ob der Coach Notizen macht, wie er damit umgeht und unter welchen Umständen Informationen weitergegeben werden müssen. Wenn Sie und eine auftraggebende Organisation unterschiedliche Erwartungen haben, sollte der Coach diesen Konflikt offen ansprechen, bevor die Gespräche beginnen.
Dauer und Methoden verständlich klären
Der Coach sollte erklären, wie die Gespräche geplant sind. Eine feste Zahl von Sitzungen passt nicht für alle. Besprechen Sie, wie lange die Termine dauern, wie viel Zeit dazwischen liegt und wann Sie gemeinsam prüfen, wie es läuft. Wenn Sie keinen Nutzen mehr sehen oder Ihr Anliegen sich verändert, sollte eine Anpassung oder Beendigung möglich sein.
Auch bei den Methoden zählt Transparenz. Der Coach sollte verständlich erklären, welches Ziel eine Übung hat und wie sie mit Ihrem Anliegen zusammenhängt. Sie dürfen nachfragen, eine Übung ablehnen oder sie abbrechen. Seien Sie vorsichtig, wenn der Coach eine Methode als garantiert wirksam darstellt oder Ihre Bedenken abwertet.
Coaching und Therapie unterscheiden
Coaching und Lebensberatung können bei Entscheidungen, persönlichen Zielen und sozialen Konflikten unterstützen. Psychotherapie behandelt psychische Störungen, die als Krankheit gelten. In Deutschland unterscheiden das Psychotherapeutengesetz und das Heilpraktikergesetz zwischen der Behandlung solcher Erkrankungen und Angeboten mit anderen Zielen. Entscheidend ist, was tatsächlich angeboten und getan wird, nicht allein die Bezeichnung „Coaching“ oder „Lebensberatung“.
Wenn Sie wegen psychischer Beschwerden eine Behandlung suchen oder diese Beschwerden im Gespräch im Mittelpunkt stehen, sollte der Coach seine fachlichen und rechtlichen Grenzen benennen und passende Hilfe empfehlen. Eine hausärztliche Praxis kann eine erste Anlaufstelle sein; auch psychotherapeutische oder medizinische Fachstellen kommen infrage. Bei akuter Gefahr ist unmittelbare professionelle Hilfe nötig.
Passt der Coach zu Ihrem Anliegen?
Nach dem Erstgespräch sollten Sie in eigenen Worten sagen können, welches Ziel Sie verfolgen, wie der Coach arbeitet und was mit Ihren Informationen geschieht. Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Nehmen Sie sich Zeit, besonders wenn Sie sich gedrängt fühlen oder wichtige Punkte offenbleiben.