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Familien- und Einzelberatung per Videoanruf

Wenn Anreise, Alltag oder Entfernung einen Termin erschweren, können Sie sich per Video beraten lassen. Bei der Einzelberatung sprechen Sie allein mit einer Fachkraft; bei der Familienberatung nehmen mehrere Angehörige teil.

Ob ein Videoanruf zu Ihrem Anliegen und den Beteiligten passt, klären Sie mit der Beratungsfachkraft. Besprechen Sie auch, ob Sie bei Bedarf zu Telefon- oder Präsenzterminen wechseln können.

Was Videoberatung erleichtert

Ein Videoanruf spart die Fahrt zur Beratungsstelle und lässt sich für manche Menschen leichter in den Alltag einbauen. Das hilft etwa, wenn Familien weit auseinander wohnen oder mehrere Angehörige sonst nur schwer gemeinsam zu einem Termin kommen. Manche Menschen sprechen in der vertrauten Umgebung auch leichter über persönliche Themen. Andere fühlen sich dort weniger ungestört.

Studien zu Paar- und Familientherapie per Video zeigen, dass sich viele solcher Angebote durchführen lassen und die Beteiligten sie annehmen. Die untersuchten Angebote und Gruppen unterscheiden sich jedoch. Eine Auswertung von 37 Arbeiten konnte deshalb keine gemeinsame Wirkungszahl berechnen. Die Ergebnisse zeigen, dass Video eine mögliche Form der Unterstützung ist. Sie belegen aber nicht, dass Video bei jedem Beratungsangebot und in jeder Familiensituation gleich wirkt.

Wann Präsenz besser passt

Video eignet sich nicht automatisch für jedes Anliegen. Schlechter Ton, eine instabile Verbindung oder andere Personen im Raum können das Gespräch erschweren. Wenn mehrere Personen teilnehmen, kann die beratende Fachkraft außerdem schwerer alle Reaktionen und den Umgang der Familienmitglieder miteinander beobachten.

Sprechen Sie vor dem ersten Termin offen über Ihre Situation. Fragen Sie, ob die Beratung per Video für Ihr Anliegen sinnvoll ist und ob zunächst ein einzelnes Gespräch oder ein Termin vor Ort hilfreich wäre. Wenn Sie sich während des Gesprächs gehemmt fühlen oder wichtige Dinge nicht ungestört ansprechen können, sagen Sie das direkt. Gemeinsam lässt sich prüfen, ob ein anderes Format besser passt.

Achten Sie auch auf den Unterschied zwischen Psychotherapie und allgemeiner Beratung. Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen und unterliegt eigenen fachlichen und rechtlichen Anforderungen. Allgemeine Beratungsstellen arbeiten je nach Angebot und Qualifikation unterschiedlich. Fragen Sie deshalb nach, wer Sie berät, welche Themen das Angebot abdeckt und ob es sich um psychotherapeutische Behandlung handelt. Ergebnisse aus Studien zu Psychotherapie per Video gelten nicht automatisch für jede Familien- oder Einzelberatung.

Familiengespräche gut planen

Bei einem Familiengespräch sollte vorab klar sein, wer teilnimmt und wer sich während des Termins im Raum aufhält. Vereinbaren Sie mit der Fachkraft, ob alle gemeinsam vor einem Gerät sitzen oder einzelne Personen getrennt zugeschaltet werden. Stellen Sie die Kamera so auf, dass die vereinbarten Teilnehmenden gut zu sehen und zu hören sind.

Hilfreich ist auch eine Absprache dazu, wie Sie miteinander sprechen: etwa nacheinander statt gleichzeitig und mit kurzen Pausen, wenn die Anspannung steigt. Wenn Kinder oder Jugendliche teilnehmen, besprechen Sie vorher mit der Fachkraft, wie sie einbezogen werden und ob einzelne Gespräche sinnvoll sind. Die Fachkraft kann mit Ihnen klären, welche Gesprächsform zu Ihrem Anliegen passt.

Videoberatung vorbereiten

Suchen Sie einen ruhigen Ort, an dem andere nicht mithören und möglichst nicht unangekündigt hereinkommen. Prüfen Sie vor dem Termin Kamera und Mikrofon und testen Sie auch den Ton. Öffnen Sie den Einwahllink rechtzeitig. Bei einem Familiengespräch sollten Sie außerdem kontrollieren, ob alle vereinbarten Personen im Bild sind.

Fragen Sie die Beratungsstelle, welche Plattform sie nutzt, welche Daten dabei verarbeitet werden und ob Gespräche aufgezeichnet werden. Die Anforderungen an Datenschutz und Technik unterscheiden sich je nach Angebot. Für videogestützte Psychotherapie gelten besondere fachliche Vorgaben; sie sind nicht automatisch die Regeln für jede allgemeine Beratung. Eine Beratungsstelle sollte erklären können, wie sie Vertraulichkeit schützt und was bei technischen Problemen passiert.

Vereinbaren Sie vorab einen Ersatzweg, falls die Verbindung abbricht, zum Beispiel einen erneuten Anruf über einen zuvor abgesprochenen Kontaktweg. Sagen Sie auch, wenn Sie während des Gesprächs keine vertrauliche Umgebung haben. Bei unmittelbarer Gefahr oder wenn Sie sich nicht sicher schützen können, warten Sie nicht auf den nächsten Videotermin, sondern wenden Sie sich direkt an örtliche Notfallhilfe.

Studien zu Videotherapie für Kinder

Eine Meta-Analyse, also eine gemeinsame Auswertung mehrerer Studien, untersuchte zwölf Studien. In diesen Studien wurden die Teilnehmenden per Zufall einer Behandlung zugeteilt. Untersucht wurde videobasierte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen sowie ihre Eltern. Die Ergebnisse waren ermutigend, doch die Zahl der Studien war begrenzt und methodische Angaben fehlten teilweise. Die Befunde betreffen psychotherapeutische Behandlung, nicht allgemeine Familienberatung. Sie sind daher kein Beleg dafür, dass jedes Videoangebot für Kinder und Familien gleich gut funktioniert.

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