Bei einer Lebenskrise oder starker Überforderung kann ein Gespräch mit einer Lebensberaterin, einem Coach oder einer anderen Vertrauensperson entlasten. Lebensberatung und Coaching helfen, konkrete Fragen zu ordnen und nächste Schritte zu planen. Wenn die Belastung anhält, Ihren Alltag stark beeinträchtigt oder Sie sich unsicher fühlen, reichen Lebensberatung und Coaching nicht aus. Lassen Sie sich ärztlich oder psychotherapeutisch abklären.
Eine Krise ist für sich genommen keine Diagnose, und Sie brauchen keine, um Unterstützung zu suchen. Entscheidend ist, welche Hilfe zu Ihrer Situation passt und ob die beratende Person ihre Grenzen klar benennt.
Was Coaching leisten kann
Coaching eignet sich vor allem für klar umrissene Anliegen: etwa eine schwierige berufliche Entscheidung, einen Konflikt oder die Frage, wie Sie ein persönliches Ziel angehen möchten. Eine Beratung kann Ihnen helfen, Ihre Möglichkeiten zu ordnen, Prioritäten zu setzen und konkrete Schritte vorzubereiten. Auch Gefühle und Belastungen dürfen dabei zur Sprache kommen.
Klären Sie vor Beginn, woran Sie arbeiten, welche Qualifikation die beratende Person mitbringt, was die Gespräche kosten und wie sie mit vertraulichen Informationen umgeht. Fragen Sie auch, was das Angebot nicht umfasst. Ein seriöser Coach verspricht keine Heilung und erklärt, an wen Sie sich wenden können, wenn Ihr Anliegen eine medizinische oder psychotherapeutische Einschätzung erfordert.
Wo Lebensberatung an Grenzen stößt
In Deutschland richtet sich die rechtliche Einordnung unter anderem nach dem Zweck einer Tätigkeit und den Leistungen, die sie umfasst; Gespräche über Gefühle sind dafür allein nicht ausschlaggebend. Das Psychotherapeutengesetz beschreibt Psychotherapie als Behandlung von Störungen mit Krankheitswert. Beratung zu sozialen Konflikten und andere Beratung außerhalb der Heilkunde zählen nicht automatisch als Psychotherapie. Zugleich gehören Beratung und Prävention auch zu den Aufgaben von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Der Name „Lebensberatung“ sagt für sich genommen wenig über Ausbildung, Befugnisse oder Arbeitsweise aus. Auch Coaching ist keine einheitlich geschützte Berufsbezeichnung. Für heilkundliche Tätigkeiten durch Personen ohne ärztliche Approbation gelten eigene rechtliche Regeln. Ob das Angebot für Ihre Lage geeignet ist, hängt von mehr ab als seiner Bezeichnung.
Wenn Ihre Belastung länger anhält, Sie kaum noch durch den Alltag kommen oder Sie unsicher sind, welche Unterstützung Sie brauchen, wenden Sie sich an eine Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Sprechstunde. Dort können Sie gemeinsam klären, welche Hilfe passt. Sie müssen dafür nicht erst selbst feststellen, ob eine Erkrankung vorliegt. Eine allgemeingültige Zahl von Tagen oder eine feste Belastungsschwelle, ab der Coaching enden muss, gibt es nicht.
Woran Sie gute Beratung erkennen
Zu Beginn sollte die beratende Person mit Ihnen klären, worum es geht und wo die Grenzen des Angebots liegen. Sie drängt Sie nicht zu weitreichenden Entscheidungen, stellt keine unbelegten Heilungsversprechen auf und rät Ihnen nicht davon ab, medizinische oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wenn sich zeigt, dass Ihr Bedarf über das Angebot hinausgeht, sollte sie das ansprechen und die nächsten Schritte mit Ihnen sortieren.
Achten Sie darauf, ob das Gespräch Ihnen hilft, Ihre Lage besser zu verstehen und selbst Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie sich unter Druck gesetzt, abgewertet oder von vertrauten Personen isoliert fühlen, sprechen Sie das an oder holen Sie eine unabhängige Einschätzung ein. Bei Unsicherheit können Sie zunächst ein unverbindliches Erstgespräch führen und danach entscheiden, ob Sie weitermachen möchten.
Wohin Sie sich wenden können
Je nachdem, wie dringend Sie Hilfe brauchen, können Sie sich an unterschiedliche Stellen wenden:
- Bei anhaltender Belastung oder deutlichen Problemen im Alltag: Vereinbaren Sie einen Termin in einer Hausarztpraxis oder wenden Sie sich direkt an eine psychotherapeutische Sprechstunde. Der Patientenservice 116117 informiert über psychotherapeutische Termine; eine Überweisung ist dafür nicht nötig.
- Bei einer akuten Krise ohne unmittelbare Lebensgefahr: Der örtliche Krisendienst oder der Sozialpsychiatrische Dienst kann beraten, begleiten und bei der Suche nach weiterer Hilfe unterstützen. Die Angebote unterscheiden sich regional. Laut Bundesgesundheitsportal sind die Angebote des Sozialpsychiatrischen Dienstes kostenlos. Für die Kontaktaufnahme brauchen Sie weder eine Diagnose noch eine Krankenversicherung.
- Wenn Sie jetzt mit jemandem sprechen möchten: Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar. Sie bietet außerdem Chat- und E-Mail-Kontakt an.
- Bei unmittelbarer Gefahr für Sie oder andere: Rufen Sie 112 oder gehen Sie in eine psychiatrische Notaufnahme.
Krisendienste und die TelefonSeelsorge haben unterschiedliche Aufgaben. Sie können zuhören, beraten oder an weitere Stellen vermitteln. Eine psychotherapeutische Behandlung ersetzen sie nicht. Wenn Sie nicht wissen, wohin Sie sich wenden sollen, kann eine Hausarztpraxis ebenfalls ein erster Anlaufpunkt sein.