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Ziele im Coaching: Warum vage Wünsche nicht reichen

Im Coaching oder in der Lebensberatung ist der Wunsch nach Veränderung ein Anfang. Der Wunsch „Ich möchte zufriedener sein“ zeigt eine Richtung, sagt aber noch nicht, was sich im Alltag ändern soll. Wenn Sie das Ziel gemeinsam mit dem Coach klären, wird daraus ein konkretes Anliegen. Sie können es im Alltag wiedererkennen, besprechen und Schritt für Schritt angehen.

Mit einem überprüfbaren Ziel sehen Sie, ob Sie vorankommen, ohne Ihr Anliegen auf Zahlen zu reduzieren. So finden Sie mit dem Coach den nächsten passenden Schritt und können später prüfen, ob das Vorhaben noch zu Ihnen passt.

Vom Wunsch zum Vorhaben

Ein Wunsch beschreibt häufig ein Gefühl oder eine erhoffte Veränderung: Sie möchten sich sicherer fühlen, beruflich zufriedener sein oder weniger Streit erleben. Damit können Sie bereits ins Gespräch einsteigen. Noch ist aber offen, was „zufriedener“ oder „weniger Streit“ für Sie konkret bedeutet.

Ein überprüfbares Ziel sagt, woran Sie eine Veränderung erkennen. Bei einem zwischenmenschlichen Anliegen kann das ein bestimmtes Verhalten sein. Bei einer beruflichen Frage könnte es zunächst darum gehen, herauszufinden, welche Aufgaben Ihnen Energie geben und welche Sie belasten. Ein nächster Schritt wäre dann, nach einigen Arbeitstagen kurz festzuhalten, welche Tätigkeiten Sie als erfüllend oder anstrengend erlebt haben.

Sie müssen dafür keine Zahl festlegen. Es genügt, wenn Sie später konkret sagen können, was Sie getan, entschieden oder wahrgenommen haben. So können Sie im Gespräch erkennen, ob Sie dem Ziel näherkommen, noch Informationen sammeln oder eine andere Richtung brauchen.

Wie klare Ziele Orientierung geben

Mit einem klaren Ziel bleibt das Gespräch bei dem Anliegen, das Ihnen gerade wichtig ist. Es hilft Ihnen auch, konkrete Schritte zu planen: Was möchten Sie ausprobieren, und woran erkennen Sie beim nächsten Gespräch, wie es gelaufen ist?

Eine systematische Übersichtsarbeit von Müller und Kotte untersuchte 24 empirische Studien zu Zielaktivitäten im Coaching am Arbeitsplatz. Einige Studien fanden positive Zusammenhänge mit Coaching-Ergebnissen, andere keinen bedeutsamen Zusammenhang. Diese Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf Lebensberatung übertragen. Zielklärung ist daher eine sinnvolle Orientierung für die Zusammenarbeit, aber kein Wirkversprechen.

Auch die allgemeine Forschung zur Zielsetzung zeigt Grenzen: Klare Ziele unterstützen eher überschaubare Aufgaben, deren Anforderungen bereits verstanden sind. Bei komplexen oder neuen Situationen ist zunächst ein Lern- oder Erkundungsziel oft passender. Statt sofort festzulegen, welches Ergebnis eintreten muss, können Sie vereinbaren, was Sie besser verstehen oder erproben möchten.

Prioritäten gemeinsam setzen

Wenn Sie mehrere Anliegen gleichzeitig beschäftigen, kosten sie Zeit, Kraft und Aufmerksamkeit. Dann hilft es, zunächst alle Themen zu benennen und anschließend ihre Bedeutung zu klären: Was würde sich durch eine Veränderung verbessern? Welche Werte oder Bedürfnisse berührt das Thema? Und welches Anliegen lässt sich in der nächsten Zeit tatsächlich angehen?

Das erste Ziel muss nicht das dringendste oder größte Problem betreffen. Vielleicht ist ein kleiner Schritt bei einem konkreten Konflikt hilfreicher als ein umfassender Plan für die berufliche Zukunft. Sie entscheiden gemeinsam mit dem Coach, womit Sie beginnen. Zurückgestellte Themen können Sie festhalten und später wieder aufnehmen.

Studien zu Zielkonflikten fanden im Durchschnitt einen Zusammenhang zwischen konkurrierenden Zielen und geringerem psychischem Wohlbefinden. Das legt nahe, Konflikte zwischen Vorhaben anzusprechen. Es liefert aber keine allgemeine Rangliste, mit der sich für jede Person das richtige erste Ziel bestimmen lässt.

Ziele im Gespräch konkretisieren

Zu Beginn fragt der Coach nach dem Lebensbereich, um den es geht, und danach, was im Alltag anders wäre, wenn sich die Lage verbessert. Anschließend lässt sich erkunden, woran Sie selbst Fortschritt erkennen würden und welcher Teil der Veränderung in Ihrem Einflussbereich liegt. Wählen Sie einen nächsten Schritt, den Sie konkret planen können und der für Ihr Anliegen wichtig ist.

Besprechen Sie auch, was Sie aufhalten könnte. Wenn Sie etwa ein schwieriges Gespräch führen möchten, können Sie überlegen, was Sie darin ansprechen wollen, wann ein geeigneter Zeitpunkt wäre und was Ihnen die Vorbereitung erleichtert. Beim nächsten Termin besprechen Sie dann, ob das Gespräch stattgefunden hat und was Sie daraus gelernt haben.

Das SMART-Prinzip kann als Prüfhilfe dienen. Die Buchstaben stehen je nach Fassung für spezifische, messbare, attraktive oder akzeptierte, realistische und terminierte Ziele. Das SMART-Prinzip passt nicht zu jedem persönlichen Anliegen. Gerade wenn die Lage noch unübersichtlich ist, kann ein offenes Lernziel besser passen als ein künstlich präzises Ergebnis. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, ob das Ziel noch zu Ihrer Situation passt.

Wo Coaching endet

Coaching und Lebensberatung ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn starke psychische Beschwerden, eine anhaltende erhebliche Belastung oder eine mögliche Gefährdung im Vordergrund stehen, sollte geeignete fachliche Hilfe dazukommen. Ein Coach sollte diese Grenze ansprechen und bei Bedarf an passende Stellen verweisen.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung wählen Sie in Deutschland den Notruf 112. Bei dringendem ärztlichem Hilfebedarf außerhalb der regulären Sprechzeiten, der nicht lebensbedrohlich ist, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar. Ihre Gespräche sind anonym und gebührenfrei.

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