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Mehr Selbstwertgefühl: Was Lebensberatung leisten kann und was nicht

Wenn Sie an sich zweifeln, vor einer Entscheidung stehen oder sich häufig nach den Erwartungen anderer richten, kann ein Gespräch mit einer Lebensberaterin, einem Lebensberater oder einem Coach helfen, Ihre Gedanken zu ordnen. Mit Selbstwertgefühl ist gemeint, wie sehr Sie sich selbst achten und wertschätzen.

Im Gespräch betrachten Sie konkrete Situationen und planen nächste Schritte. Ein Gespräch führt nicht zwangsläufig zu einer dauerhaften Veränderung Ihres Selbstwertgefühls. Bei starker oder anhaltender Belastung reicht Lebensberatung oder Coaching möglicherweise nicht aus.

Was sich im Gespräch klären lässt

Ein guter Ausgangspunkt ist eine konkrete Situation: Vielleicht fällt es Ihnen schwer, bei der Arbeit eine eigene Meinung zu vertreten, eine Grenze zu setzen oder eine Entscheidung zu treffen. Die beratende Person kann nachfragen, Ihre Überlegungen ordnen und verschiedene Handlungsmöglichkeiten mit Ihnen abwägen.

Dabei kann auch sichtbar werden, was Ihnen wichtig ist und welche Fähigkeiten Sie bereits nutzen. Ihre bisherigen Erfahrungen können ebenfalls dabei sichtbar werden. Gemeinsam können Sie daraus einen überschaubaren nächsten Schritt planen, etwa ein schwieriges Gespräch vorzubereiten oder eine Entscheidung zunächst mit einer vertrauten Person zu besprechen. Die Entscheidung bleibt bei Ihnen.

Ein hilfreiches Gespräch behandelt Selbstzweifel nicht als persönliches Versagen. Es kann außerdem berücksichtigen, dass äußere Umstände wie Konflikte, finanzielle Sorgen oder Krankheit die eigene Einschätzung belasten. Eine andere Denkweise allein ändert diese äußeren Umstände nicht.

Was Beratung nicht ersetzt

Lebensberatung und Coaching stellen keine psychischen Erkrankungen fest und behandeln sie nicht, wenn dafür eine Behandlung nötig ist, die nur entsprechend befugte Fachleute anbieten dürfen. Sie ersetzen auch keine Psychotherapie und sollten deren Beginn nicht verzögern. In Deutschland dürfen Störungen mit Krankheitswert nur Personen behandeln, die dafür befugt sind. Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“ ist geschützt.

Ein Coach sollte deshalb keine sichere Erklärung für Ihre Schwierigkeiten aus wenigen Gesprächen ableiten und nicht versprechen, Unsicherheit werde verschwinden oder Sie würden dauerhaft selbstbewusst. Wenn ein Angebot Druck macht, schnelle Ergebnisse verspricht oder jede Belastung allein auf Ihre Einstellung zurückführt, ist Vorsicht angebracht.

Was Studien zu Selbstwertgefühl zeigen

Studien zu verschiedenen Ansätzen, die das Selbstwertgefühl stärken sollen, zeigen im Durchschnitt positive Veränderungen. Eine Meta-Analyse, also eine Auswertung vieler Studien, wertete 2021 insgesamt 119 Studien mit Erwachsenen aus. Berücksichtigten die Forschenden mögliche Verzerrungen in den veröffentlichten Studien, fiel der geschätzte Effekt klein aus. Die Studien untersuchten unterschiedliche Ansätze. Daraus lässt sich kein Wirksamkeitsnachweis für Lebensberatung oder allgemeines Coaching ableiten.

In einer 2024 veröffentlichten Untersuchung ging es um eine einzelne, 60-minütige Online-Coachingsitzung. Die Teilnehmenden schätzten ihr Selbstwertgefühl vor und nach dem Gespräch höher ein. Die Untersuchung verglich die Einschätzungen vor und nach dem Gespräch, konnte aber nicht zeigen, dass die Sitzung die Veränderung ausgelöst hat. Forschung zu Coaching am Arbeitsplatz liefert ebenfalls keine direkte Antwort darauf, wie gut private Lebensberatung bei Selbstwertfragen hilft.

Ein Gespräch kann Ihnen helfen, Klarheit und Handlungsspielraum zu gewinnen. Ob es Ihnen hilft, hängt unter anderem von Ihrem Anliegen, der beratenden Person und davon ab, ob das Angebot zu Ihnen passt.

So prüfen Sie ein Angebot

Klären Sie vor dem ersten Termin, welche Ausbildung und Erfahrung die beratende Person mitbringt und worauf sich das Angebot beschränkt. Fragen Sie auch, wie sie vorgeht, welche Kosten entstehen und was passiert, wenn Ihr Anliegen eine andere Art von Hilfe erfordert. Die Begriffe „Coaching“ und „Lebensberatung“ allein sagen wenig darüber aus, welche Qualifikation dahintersteht.

Ein klares Ziel kann die Entscheidung erleichtern: „Ich möchte ein Gespräch mit meiner Vorgesetzten vorbereiten“ ist konkreter als „Ich möchte endlich ein anderer Mensch werden“. Wenn das Ziel im Gespräch nicht passt oder sich als zu groß herausstellt, sollte die beratende Person das offen ansprechen und mit Ihnen klären, was stattdessen sinnvoll ist.

Wann weitere Hilfe sinnvoll ist

Sprechen Sie mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson, wenn starke Sorgen oder Niedergeschlagenheit anhalten. Das gilt auch, wenn diese Beschwerden Ihren Alltag deutlich beeinträchtigen oder Sie sich zunehmend zurückziehen. Das ist keine Selbstdiagnose, sondern ein Anlass, die passende Unterstützung abzuklären.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung rufen Sie den Notruf 112. Für eine dringende medizinische Einschätzung ohne akute Lebensgefahr erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Die TelefonSeelsorge ist bei akutem Gesprächsbedarf rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123 erreichbar.

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